Archiv für November, 2011

Kondenswasser am Fenster

Geschrieben von Norbert Paulus am in Informationen

Kondenswasser am Fenster

Allgemein gilt: Kondensat entsteht, wenn die Feuchtigkeit gesättigte Luft auf kalte Oberflächen trifft. Luft besitzt zu jeder Temperatur eine entsprechende maximale Wasseraufnahme. Diese ist umso höher, je wärmer die Luft ist, d.h. warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft (Prinzip Heisslufttrockner). Erreicht die Luftfeuchtigkeit ihr Maximum, so spricht man von 100% relativer Luftfeuchte oder auch dem Sättigungszustand. Die Temperatur dieser gesättigten Luft wird als Taupunkttemperatur bezeichnet. Wird nun gesättigte Luft unter ihren Taupunkt abgekühlt, so sinkt auch das Wasseraufnahmevermögen ab. Als Folge scheidet sich das nun überschüssige Wasser ab. Die Abscheidung erfolgt an den kälteren Grenzflächen, die das Gas abkühlen.

Zur Kondensatbildung an Isoliergläsern kann es prinzipiell an vier Bereichen kommen:

– an der Innenscheibe
– an der Aussenscheibe
– am Randbereich
– im Scheibenzwischenraum

Kondenswasser am Fenster

Kondensation an der Innenscheibe:
Kondensat auf Innenscheiben bildet sich meist in Räumen mit erhöhter Luftfeuchtigkeit (Bad, Küche, Schlafzimmer). Auch eine Behinderung der Luftzirkulation kann die Niederschlagsneigung fördern  (z.B. dicke Vorhänge oder geschlossene Innenjalosien, Blumen od. Dekoration auf Fensterbank). Mit steigender Isolierglasqualität steigt die Oberflächentemperatur der Innenscheibe, da der Wärmestrom zur Aussenscheibe sehr gering ist. Je höher die Temperatur der Innenscheibe, desto geringer ist deren Neigung zum Beschlagen.

Kondensation an der Aussenscheibe:
Bei qualitativ sehr hochwertigen Isoliergläsern (niedrige U-Werte) findet nur ein sehr geringer Wärmeübergang von Innen nach Aussen statt. Deshalb erhöht sich die Temperatur der Aussenscheibe kaum. Über Nacht kühlen die Aussenscheiben stark ab. In den Morgenstunden ist es möglich, dass die Temperatur der Scheiben die Taupunkttemperatur der angrenzenden Luft weit unterschreitet, was zum Beschlagen führt. Bei Erwärmung verschwindet dieser Beschlag wieder. Kondensation findet verstärkt auf geneigten Glasflächen (Dachfenstern) statt, da geneigte Scheiben stärker abkühlen als senkrecht stehende. Die Kondensation auf der Aussenscheibe ist ein Effekt, der durch die hohe Isolationsgüte und physikalische sowie klimatische Randbedingungen unvermeidbar ist. Beschlagene Aussenscheiben sind ein Zeichen für beste Isolationseigenschaften!

Kondenswasser am Fenster

Kondensation am Randbereich:
Der Randbereich stellt oft den Schwachpunkt des Bauteiles Fenster dar, da hier konstruktiv notwendige Verbindungen zwischen Innen und Aussen und damit Wärmebrücken mit erhöhten Wärmeströmen vorhanden sind. Auch in diesem Bereich wurden u.a. durch Einbau thermisch getrennter Rahmenkonstruktionen und durch die Entwicklung „warmer Kanten“ erhebliche Verbesserungen erzielt. Dennoch werden im Randbereich eines Isolierglasfensters die geringsten Oberflächentemperaturen des Fensters verzeichnet, was zur verstärkten Kondensatbildung in diesen Bereichen führen kann.

Kondensation im Scheibenzwischenraum:
Kommt es zur Kondensation im Scheibenzwischenraum (SZR), so ist dies meist ein Indiz dafür, dass die Isolierglaseinheit undicht ist und dringend ausgetauscht werden sollte.

Kondensation und Reklamationen:

Die Kondensatbildung an der Innenscheibe, an der Aussenscheibe, am Randbereich ist aufgrund der physikalischen Gegebenheiten unvermeidbar und somit kein Reklamationsgrund. Tritt dagegen Kondenswasserbildung im Scheibenzwischenraum auf, so kann dies während der Gewährleistungsdauer unter bestimmten Umständen als rügefähiger Mangel reklamiert werden.

Gibt es Möglichkeiten der Abhilfe?
Bei den heutigen Fensterkonstruktionen findet kaum noch ein Luftaustausch statt. Deshalb herrschen in Räumen häufig sehr hohe Luftfeuchtigkeiten, die im Extremfall sogar zu Schimmelbildung führen können. Richtiges Lüften kann dieses Feuchtigkeitsniveau reduzieren. Eine Viertelstunde mit weit geöffnetem Fenster und im Anschluss mehrere kurze Kurzlüftungen täglich, fördern ein gesundes Raumklima.

Ein ganztägig gekipptes Fenster erreicht diesen Effekt nicht! Ebenso sollte die Zirkulation der Raumluft in ausreichendem Masse gewährleistet sein, und nicht durch zu tiefe Fensterbänke, Blumenkästen oder eine schlecht platzierte Heizung erschwert werden.

Auch die Beschaffenheit einer Oberfläche kann sich auf die Kondensatmenge auswirken. Hier spielt die Oberflächenspannung eine wichtige Rolle. Durch Anti-Beschlagmittel (für Brillen erhältlich) oder auch durch Spülmittelrückstände wird die Oberflächenspannung geringfügig reduziert und damit die Kondensation erschwert.

Energetische Sanierung mit Glas

Geschrieben von Norbert Paulus am in Kategorie

Der aktuelle CO2-Gebäudereport des Bauministeriums (BMVBS) zeigt, dass der
Gebäudebereich ca. 40 % der CO2-Emmissionen in Deutschland verursacht und die
wichtigste Maßnahmen deshalb die energetische Verbesserung bestehender Gebäude
ist. Nach Untersuchungen der Deutschen Energieagentur (dena) lässt sich der
Energieverbrauch von Häusern im Bestand um bis zu 85 % reduzieren. Dies gilt in
besonderem Maße für den Austausch energetisch veralteter Fenster und Verglasungen.
Für eine erste orientierende Abschätzung kann jährlich pro U-Wert-Verbesserung eines
Fensters um 0,1 W/(m² K) bis zu 1 Liter Heizöl pro m² Fensterfläche im Jahr eingespart
werden. Dies entspricht ca. 800 Liter bei einem Haus mit 44 m² Fensterfläche und
Fenstern mit einem UW-Wert von 1,1 anstatt 3,0 W/(m² K).
In Deutschland könnten so pro Jahr bis zu 8,6 Mrd. Liter Heizöl gespart werden („Studie
zur energetischen Modernisierung alter Fenster“, Branchenverbände VFF und BF
12/2007).
Neben dem U-Wert als bekannte Kenngröße für den Wärmeverlust, muss vor allem die
Gesamt-Energiedurchlässigkeit (g-Wert) des Glases nach DIN EN 410 beachtet werden.
Diese gibt an, wie hoch der Anteil der Sonnenstrahlung ist, der durch die Verglasung in
den Raum gelangt und als passive Solargewinne genutzt werden kann. Mit neuen
Isoliergläsern werden auch die unangenehmen kalten Oberflächen alter Verglasungen
vermieden. Eine zu niedrige raumseitige Glasoberflächentemperatur im Vergleich zur
Wandtemperatur empfindet der Nutzer als unbehaglich (Strahlungsasymetrie),
insbesondere bei großen Glasflächen und großen Temperaturunterschieden. Dies gilt
auch für die „Kaltluft“, die an kalten Glasoberflächen abfällt und als störende Zugluft
empfunden wird. Oft kann nach dem Glas- bzw. Fenstertausch die Raumtemperatur um 2
bis 3 °C gesenkt werden, so dass sich pro Grad der Energieverbrauch um ca. 6 %
reduzieren lässt. Hochwärmedämmende Isoliergläser können so zu mehr Wohnkomfort
führen und auch die Bildung von Kondensat im Glasrandbereich und auf der
Scheibenfläche wird reduziert. Dies gilt umso mehr beim Einsatz von sogenannten
„Warm-Edge-Systemen“, die einen verbesserten Wärmeschutz im Glasrandbereich
haben. Bei der Suche nach der idealen kosten- und energieeffizienten Maßnahme wird
von Bauherren oft die Frage gestellt, ob der Austausch der Verglasungen sinnvoll ist oder
besser das gesamte Fenster ausgetauscht werden soll. Als erster Schritt sollte der U-Wert
des Glases Ug abgeschätzt werden, um das energetische Verbesserungspotenzial zu
bestimmen. Danach muss die Eignung des Fensterrahmens, der Beschläge und des
Baukörperanschlusses geprüft werden, um die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme bewerten
zu können.